„IHRE GESCHICHTEN SIND JEDWEDER ZEITLICHEN UND ÖRTLICHEN ZUORDNUNG ENTZOGEN, IHRE MELODIEN ANIMIEREN MAL ZUM MITSUMMEN, DANN WIEDER ERINNERN SIE AN VON ELFEN GESUNGENE COWBOY-BALLADEN.“ – ARD KULTUR
INFOS
ARTIST
RELEASE DATE
9.10.2026
CATALOGUE NR.
GRCD/LP/DIGITAL 1139
TRACKLIST
My Mother’s Name
Time to time
paint
low
wild
nuna pii
blame
systematic
lies
up all night
WATCH & LISTEN
Story
Identität ist das Spannungsfeld zwischen Zuschreibung und Selbstentwurf. Nive Nielsen ist Kosmopolitin und als Schauspielerin die Rollenvielfalt gewöhnt, aber auch Grönländerin und Inuit – sie ist authentisch und gerade deshalb auch Projektionsfigur in einer politisch herausfordernden Gegenwart. Vor allem aber ist sie Musikerin.
My Mothers Name verhandelt leitmotivisch Identität, Sozialisation und Heimat – my mothers name, das meint das Ich, das mir von meiner Familie gegeben und mitgegeben ist. Im modernen Folk, der feine Reibungen und Zeitgeist einbindet, finden auch die grönländische Sprache und traditionelle Instrumentierung ihren Platz. Es ist zugänglich, aber komplex und reich an klanglichen Verschiebungen. Neben akustisch geprägten Strukturen stehen subtile elektronische Brechungen, feine Dissonanzen und ein instrumentales Spektrum, das weit über die klassische Bandbesetzungen hinausgeht. Geigen, Querflöten, Gitarren, elektronische Texturen und die grönländische Qilaut-Trommel greifen ineinander, ohne je in folkloristische Zuschreibungen zu kippen. Das ist kreatives, vielschichtiges Singer-Songwriting. Die Oberfläche bleibt ruhig, aber glatt sind diese tiefen Wasser nie.
Aufgenommen wurde das Album in Dänemark; man entschied sich für einen bewusst organischen, hörbar handgemachten Sound, der auf Klarheit und Balance setzt. Und Nive Nielsens Individualität und Stimme Raum gibt. Sie singt auf Englisch, präsent, klar geführt. Die Songs entwickeln sich in ruhigen Bögen, die textlich weniger auf Zuspitzung als auf innere Bewegung setzen. Das ist poetisch und manchmal werden wir verführt in diesen Klang einfach hinab zu tauchen.
Nive Nielsen lebt und arbeitet grenzüberschreitend – ihre Songs entstehen aus einer Biografie, die Grönland, Europa und eine permanente Bewegung zwischen Orten und Kontexten umfasst. Beruflich bewegt sie sich seit Jahren zwischen Musik, Film und internationalen Kunstprojekten. Geboren in Nuuk und als Stimme einer Gegenwart, in der kulturelle Zugehörigkeit wieder stärker politisch aufgeladen wird, wird diese Offenheit zur Haltung. Und das augenscheinlich persönliche und fast private My Mothers Name gerät in einen größeren Kontext. Am Ende steht ein Album, das weniger auf große Gesten als auf Verdichtung setzt: detailreich und bewusst unaufgeregt. Einer der seltenen Glücksfälle, in denen Musik sowohl im konzentrierten Hören als auch intuitiv funktionieren kann. Das Album bietet Nuancen – während draußen eine Gegenwart tobt, die wenig Geduld für Zwischentöne hat.







